3 Dinge, die dein iPhone wirklich kann: Wenn VoiceOver zu deinem Werkzeug wird Forumsbeitrag | SightCity Forum 2026 Referent: Jürgen Fleger, ApfelFleger Datum: 28. Mai 2026 Vortrag-ID: F032007 Weitere Informationen: https://sightcity.net/F032007 ────────────────────────────────────────── ── Begrüßung & Vorstellung: Jürgen Fleger von ApfelFleger ── Herzlich willkommen zum Mitschnitt des Forums vom 28.05.2026: „3 Dinge, die dein iPhone wirklich kann – wenn VoiceOver zu deinem Werkzeug wird." Referent: Jürgen Fleger. Viel Spaß mit dem Vortrag. Bis dann. **Jürgen Fleger:** Vielleicht sind Menschen im Raum, die mich nicht unbedingt schon kennen, deswegen sage ich ganz kurz was zu mir. Mein Name ist Jürgen Fleger, ich hab 2010 die Firma ApfelFleger gegründet, weil ich mich um alle Ihre Äpfel kümmere – und zwar aber nur die elektronischen, also keine echten Äpfel, obwohl ich manchmal damit verwechselt werde, witzigerweise, in Hotels. Aber genau, das war also 2010, seitdem hab ich viele hunderte, wenn nicht sogar noch mehr, Menschen geschult, wie man iPhone, iPad und den Mac bedient, und hab mir so einen recht guten Ruf aufgebaut. Die, die mich nicht kennen, müssen das jetzt einfach glauben, so. ── Der Titel und sein wahres Thema: Was macht Technik mit einem Menschen? ── **Jürgen Fleger:** Der Titel von dem Vortrag, den Sie im Programm lesen konnten, war: „3 Dinge, die dein iPhone wirklich kann, wenn VoiceOver zu deinem Werkzeug wird." Als ich den Titel für diesen Vortrag abgegeben habe, da hatte ich eigentlich einen eher technischen Vortrag im Kopf. Als ich das dann ausgearbeitet hab, hab ich aber gemerkt: Die spannendere Geschichte ist eigentlich gar nicht das iPhone selbst, die Technik, sondern der Weg dorthin. Ist die Frage: Was macht Technik eigentlich mit einem Menschen, und wie werden aus Hilfsmitteln irgendwann Werkzeuge für jedermann? Ich kann mir vorstellen, dass viele von Ihnen sich damit identifizieren können, weil es vielen Menschen einfach so geht: Irgendwann machen die Augen nicht mehr mit, und dann braucht man gescheite Werkzeuge. Und dann gehören diese Hilfsmittel irgendwann plötzlich zum Leben ganz selbstverständlich dazu. Deshalb will ich eine kleine Ergänzung zum ursprünglichen Titel vornehmen: Ich hab einen Untertitel des Untertitels hinzugefügt, sozusagen: eine persönliche Reise von peinlichen Hilfsmitteln zu selbstverständlicher Technologie. Und es gibt noch eine Besonderheit für die Menschen im Raum, die sehen können: Es wird keine visuelle Präsentation auf der Leinwand geben. Ich will Sie gerne einladen, sich auf mich zu konzentrieren, auf das, was ich sage, auf Ihre Vorstellungskraft, und die Gewohnheit, auf optische Reize zu fokussieren, die einmal für 30 Minuten zu unterbrechen – so lange darf ich maximal hier reden, sonst werde ich von der Bühne gefegt. Und am Ende werden Sie aber trotzdem verstehen, was das iPhone wirklich gut kann. Also das werde ich einhalten, ja. Viele Vorträge hier beschäftigen sich ja mit Funktionen, mit Gesten, mit Apps und mit Einstellungen und Techniken, und das ist auch alles sehr, sehr wichtig. Aber wenn wir ehrlich sind: Dann interessiert uns die Technik doch eigentlich, oder die meisten Menschen, nicht wegen der Technik selbst, sondern wegen der Momente, in denen plötzlich etwas möglich wird, in denen ich plötzlich etwas kann, lösen kann, was vorher schwierig war durch die Blindheit, durch die Sehbehinderung, die ja in vielen Fällen auch noch relativ neu ist, sag ich mal. Und ich höre zum Beispiel oft: Nee, das ist mir viel zu kompliziert, ich bin nicht technikaffin genug. Ja, da sind wir quasi hingekommen, dass Menschen glauben, das kann mir sowieso nicht helfen, weil ich hab von Technik keine Ahnung, und ich weiß nicht, wie das geht. Ja, ja, und genau deshalb wird es jetzt kein typischer Technikvortrag hier, keine App-Schlacht, wo ich Ihnen noch eine App und noch eine App und noch eine App zeige, sondern ich mach das mal ganz anders. Und Sie können garantiert was für sich hinterher mitnehmen, versprochen. Ich erzähle Ihnen einfach 3 kurze Geschichten aus meinem Leben – kein großes Ding, aber sie machen doch am Ende einen Unterschied. ── Geschichte 1: Die peinlichen Hilfsmittel der Schulzeit ── **Jürgen Fleger:** Die erste Geschichte, die ich erzählen will, handelt vom Dazugehören. Ich war 14 Jahre alt, als ich zum ersten Mal auf eine Sehbehindertenschule kam. Alles war neu und völlig ungewohnt für mich, ich war vorher voll sehend, ich war weit weg von zu Hause, und manchmal hab ich mich auch alleine und einsam gefühlt, so in dieser neuen Situation im Internat. Ich war vorher auf einer Regelschule, und plötzlich hab ich da Hilfsmittel bekommen, das kannt ich überhaupt nicht vorher: Da war so ein großer Kasten, ein großes Bildschirmlesegerät – wie die heißen –, wo mir der Text vergrößert wurde. Es gab einen ganz besonderen Schultisch, weil damals war ich noch sehbehindert, und dann konnte man die Höhe verstellen, sodass ich mich nicht so bücken brauchte. Und es gab so dicke Lupen, die nannten wir sogar Pickellupen – ich weiß nicht, wer diesen Begriff kennt –, das waren so ganz bestimmt, wie hoch ist das, 5 Zentimeter, 6 Zentimeter oder so, so aus Glas. Und alles wirkte auf mich damals, den vierzehnjährigen Jürgen, klobig und ehrlich gesagt ziemlich hässlich. Ja, und weil das so hässlich war, wollte ich das gar nicht haben, denn ich wollte mit 14 – das können Sie vielleicht noch sich erinnern – ich wollte eigentlich nur eins: Ich wollte normal sein und nicht zu den Behinderten gehören. Und diese Hilfsmittel fühlten sich für mich aber gar nicht wie Unterstützung an, das war ein Stigma, ein Schild, das allen zeigt, dass ich behindert bin. Also, was hab ich gemacht? Ich hab sie nicht benutzt, obwohl ich sie natürlich gebraucht hätte. Ich musste aber erst noch lernen, dass Hilfe annehmen nicht nichts mit Schwäche zu tun haben muss, oder mit Schwäche zu tun hat. Nein. In meinem ersten Zeugnis, dort in der Schule, stand dann auch eine Bemerkung: „Jürgen benutzt seine Hilfsmittel nicht." Und das mussten meine Eltern unterschreiben, damit die das gesehen haben. ── Geschichte 2: Das Braille-Notizgerät an der Uni ── **Jürgen Fleger:** Die zweite Geschichte, die ich jetzt erzähle, dreht sich um etwas mehr Freiheit, innen wie außen. Es waren paar Jahre später, an der Uni – da war ich schon viel weiter mittlerweile mit den Hilfsmitteln, ich kannte mich besser aus, aber ich war auch viel blinder. Vergrößerung hat nix mehr gebracht. Und an der Uni stellten sich mir die Fragen beim Studieren, wie anderen Studenten mit Sehbehinderung natürlich auch: Wie mache ich mir denn jetzt eigentlich Notizen, wie komme ich an Texte in Büchern heran, und wie halte ich Schritt, ohne den anderen sehenden Studenten hinterherzulaufen, inhaltlich sozusagen? Als Antwort bekam ich ein elektronisches Braille-Notizgerät, das war ungefähr DIN-A4 groß, und es war ziemlich laut beim Tippen – die Tasten, es waren so Plastikdinger, die haben da ordentlich geklackert. Und es war auch, ehrlich gesagt, schon wieder nicht besonders hübsch. Und damit hab ich aber dann im Seminar gesessen und hab versucht, leise mitzuschreiben, indem ich nicht so fest draufgehämmert hab. Und es ging, irgendwie ging es irgendwie – ja, es war zwar auch wieder ein Kompromiss, ich hatte aber zum ersten Mal das Gefühl: Da ist ein Werkzeug, mit dem kann ich was schaffen. ── Geschichte 3: Der erste Mac und die Revolution in der Hosentasche ── **Jürgen Fleger:** Und die dritte Geschichte, die ich erzählen will, die handelt von meinem ersten Mac und von einer Revolution in der Hosentasche. So, das war jetzt schon viele Jahre später, und ich war längst routiniert am Computer. Ich hab ganz selbstverständlich Sprachausgaben genutzt, und beim Tippen auf dem Laptop – damals noch – hab ich einen Kopfhörer in einem Ohr gehabt und hab damit dem Screenreader zugehört, und das andere Ohr hatte ich beim Dozenten. Zum Beispiel, nimm mal jetzt einen der Schritte, die Ausbildung beim Hessischen Rundfunk, die ich da mal gemacht hab – hab ich dann mit dem anderen Ohr dem Dozenten zugehört. Und es ging so, und doch war Technik oft wieder ein Kompromiss: Abstürze, Einschränkungen, das gab's, und auch Abhängigkeiten natürlich. Ja, das wurde allmählich besser, von der Technik her – die Technik hat sich natürlich weiterentwickelt, aber es wurde auch komplizierter. Und dann kam die große Veränderung in meinem persönlichen Leben: Ich hab mir einfach einen Mac gekauft – Mac, das sind die Computer von Apple, und ApfelFleger heißt ja nicht umsonst so, sondern ich kümmere mich nur um Apple-Geräte. Ich hab das Gerät eingerichtet und konfiguriert, und ich war stolz wie Oskar, weil ich das hingekriegt hab, und die Uhr zeigte halb ein Uhr nachts. Ja, und ich wusste dann nicht, wie ich das Ding wieder ausschalten kann. Ich hab wirklich gedacht: Super, Jürgen, läuft – der bleibt jetzt wahrscheinlich für immer an. Ja, und wenn ich mir jetzt diese 3 Situationen anschaue – den jungen Jürgen, den Studenten Jürgen, und mich, später Jürgen –, ja, dann wird mir heute was klar: All diese Probleme trage ich heute gelöst in meiner Hosentasche, in einem einzigen Gerät. Und das kann ich sogar einfach hochhalten – für die, die es sehen können: Das ist ein iPhone. Ja, ja, da hab ich diese ganzen Sachen, die sich da über Jahre entwickelt haben, die hab ich da drin gelöst bei mir. ── Was ein Smartphone wirklich können muss ── **Jürgen Fleger:** Und was glauben Sie eigentlich, was braucht man wirklich von so einem Smartphone – das können ja auch andere Geräte, ich bin nun mal jetzt ein iPhone-Mensch –, aber was braucht man wirklich von so einem Gerät? Meistens sind das doch nur ein paar basale Dinge, die uns schon weiterhelfen: Man will telefonieren können mit so einem Ding, dafür ist es ja mal gedacht gewesen. Man will gerne Nachrichten lesen und auch schreiben können. Man braucht Orientierung, man möchte gerne ein bisschen mehr wissen, was ist denn um mich rum. Und ich möchte mir gerne Dinge aufschreiben können. Das sind die Dinge, die ich brauche. Ein kleines Beispiel vielleicht, was mir neulich passiert ist: Ich bin nach Duisburg gefahren, und ich weiß nicht warum, ich war wahrscheinlich irgendwie unaufmerksam, ich bin eine Station zu früh ausgestiegen. War schon Duisburg, aber trotzdem eine vor Hauptbahnhof. Und es war menschenleer dort, ich hab rechts und links Autos vorbeirauschen gehört und gedacht, das kann ja nicht der Bahnhof sein. Ja, und früher wär das eine Katastrophe gewesen – da hätte ich überhaupt nicht gewusst, was mache ich denn jetzt, kein Mensch, den ich fragen kann, fremd hier, nur rasende Autos rechts und links. Und wie ist es heute, mit dem Kasten in meiner Hosentasche? Ist es nur noch ein kleines Problem: Es war ein Videoanruf mit dem Smartphone, und schon war das Problem gelöst – bei jemand, der durch die Kamera gucken konnte und mir sagen konnte: Ah, du bist bei dem und dem Bahnhof, das ist eigentlich nur ein ganz kleiner, und da steigt sonst keiner aus. Und ein anderes Beispiel, was mir neulich passiert ist: Früher musste ich mir unglaublich viel merken. Und ich weiß nicht, wer hier blind im Raum ist, ich kann das nicht sehen, aber Blinde kennen das, ich hör immer wieder den Satz: Ihr Blinden könnt euch auch unheimlich viel merken. Genau, und wir sind musikalisch unheimlich empathisch und spüren viel mehr als alle anderen – wer schon länger blind ist, weiß, wovon ich da rede, und das war natürlich jetzt ironisch gemeint. Aber tatsächlich ist es so, dass viele Blinde sich eine ganze Menge merken können, das ist schon so, dass das ganz gut geht. Aber das hat natürlich auch einen Preis, insbesondere in der heutigen Welt, wo sich so viel so schnell verändert – das kostet mich Energie, denn Informationen ändern sich oder werden komplett überflüssig, und dann muss ich sie auf meiner internen Festplatte hier oben wieder löschen, und das kostet Energie. Ja, ja, und für so etwas gibt es heute die Technik: Ich schreibe heute Dinge auf oder spreche sie ein und finde sie auch wieder. Und mit künstlicher Intelligenz kann ich mir sogar aufgesprochene Audios in Text umwandeln lassen und hinterher eine To-do-Liste draus formen lassen – das macht das Ding von alleine. Oder neulich hat's mir eine E-Mail aus meinen Gedanken gemacht, die ich jemandem schreiben wollte, an eine offizielle Stelle, und da war mir das ganz lieb, dass das so auch offiziell klang, viel offizieller als der Ärger, den ich darüber im Bauch hatte. Ja, ja, und die Folge, oder eine Folge davon, ist: Mein Kopf ist heutzutage freier geworden für das Wesentliche. Ich muss keine schweren Blindenschrift-Schreibmaschinen mehr mit mir rumschleppen, Gott sei Dank – jetzt, wenn man draußen ist, wäre das halt schon echt ein Ding gewesen. Und ich kann die Notizen am iPhone auch wieder rausholen und lesen, sogar während eines Telefonates. Das ist eine unglaubliche Erleichterung für mich. Und wenn ich das iPhone gut beherrsche, dann hilft es mir auch noch, musikalisch zu werden, oder empathisch zu sein, oder sonst irgendwie was – ich hab nämlich viel mehr freie Zeit und bin wieder entspannter. Und es gibt eben nicht das, was viele bestimmt auch kennen dürften, so dieses peinliche „könntest du mal kurz für mich machen" – stattdessen kann ich mit diesen Geräten eine Selbständigkeit erreichen, in ganz unspektakulären Momenten, im Prinzip. Aber für mich bedeuten die trotzdem ganz viel. ── Drei Kernbotschaften zum Mitnehmen ── **Jürgen Fleger:** Und wenn Sie jetzt heute 3 Dinge aus meinem Vortrag mitnehmen, dann können das vielleicht die folgenden sein: Sie müssen nicht alles können am Smartphone. Ein paar wenige Funktionen reichen für den Anfang durchaus aus. Und gute Technik schafft Platz im Kopf, dafür ist sie gedacht. Ich für mich persönlich trage heutzutage nicht einfach ein Smartphone bei mir in der Tasche, ich trage Lösungen mit mir herum, für Probleme, die mich viele Jahre begleitet haben. Und genau deshalb geht es am Ende, wie ich gesagt hab zu Beginn, gar nicht um Technik, sondern um Möglichkeiten. Mein iPhone ersetzt keine Fähigkeiten, die ich hab, aber es hilft mir, sie wieder zu nutzen. Es hilft mir, mich zu orientieren, es hilft mir, Dinge festzuhalten, und manchmal hilft es mir auch einfach, einen Moment entspannter durch den Tag zu gehen. Und genau darum bin ich der Meinung: Geht es am Ende beim Thema Technik gar nicht um Technik, es geht um Erleichterung im Alltag. Vielen Dank, vielen Dank fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal. ── Publikumsfragen: Lernangebote, Android und Braillezeile ── **Moderation (Frau Kampf):** Ja, und jetzt ist natürlich noch ein bisschen Zeit, glaub ich, für Fragen, oder, Herr Fleger? **Jürgen Fleger:** Ganz genau. **Moderation:** Jetzt können Sie loslegen. Erstmal vielen Dank für den Vortrag, ist auch mal ein ganz anderer Vortrag – sonst kenn ich Sie immer nur, dass Sie irgendwelche Tastenkombinationen zeigen, darauf hatte ich mich schon irgendwie eingestellt, aber das war heute mal wo ganz anders. Also auch die Angst davor nehmen, dass man die Technik benutzt, oder das wollten Sie rüberbringen? **Jürgen Fleger:** Genau, wollte rüberbringen, dass Technik einfach dazu da ist, dass man wieder Momente erleben kann, und nicht nur, dass man Tastenkombis lernen muss, sondern man hat wieder Zeit für das Leben. **Moderation:** Ja, ja, aber trotzdem muss man die Tastenkombis können, ne... **Frage aus dem Publikum:** Und wo fang ich das an, wo lern ich das, wenn ich jetzt wirklich damit anfange, mich darauf... jetzt ne Steilvorlage für ApfelFleger, ha, ha, ha. **Jürgen Fleger:** Natürlich bei mir, ha, ha, ha. Ja, aber es gibt ja bundesweit ganz viele Leute, die das lernen möchten, aber Sie haben recht natürlich bei Ihnen. **Moderation:** Klar, ich wollte nur so sagen. **Jürgen Fleger:** Ja, genau, also es ist schon so, dass, klar, wenn man dabei Unterstützung haben möchte beim Lernen – aber auch da braucht man keine Angst vor zu haben. Dann kann man das bei ApfelFleger bekommen, und wie gesagt, für alle Apple-Geräte können Sie sich gerne an uns wenden. Wir haben einen Stand hier, 2.018, und dann können wir auch gerne uns noch unterhalten darüber. Klar, es kann natürlich Hilfen geben beim Lernen, aber ich möchte erstmal diese Furcht davor nehmen: „Ich kann das gar nicht, ich bin zu doof dafür", hör ich manchmal. **Frage aus dem Publikum:** Kann man – ich weiß nicht – Business, oder kann man sowas auch über Videokonferenzen machen, oder Online-Angebote, oder machen Sie's – kann man das darüber lernen? **Jürgen Fleger:** Es kommt auf das Gerät an. Bei den ganz Einsteigern, also die noch gar nix können, beim iPhone – da geht es leider nicht online, weil da muss ich ganz auf die Hand führen, um die Gesten zu zeigen. Und wenn man aber über andere Geräte spricht, zum Beispiel das iPad oder den Mac-Computer – das sind jetzt nicht die Geräte, die man in der Regel unterwegs dabei hat –, aber da kann man das prima online machen. Da mach ich das auch ganz viel online, und die Technik ist so gut geworden, das ist überhaupt kein Thema mehr. Ich kann mich dann auch beim Mac zum Beispiel auf das Gerät draufschalten und kann das aus der Ferne dann mitsteuern. Ja, genau, und beim iPhone, wie gesagt, da empfiehlt sich schon am Anfang, weil ich die Fingergesten oft noch wirklich physisch zeige. **Frage aus dem Publikum:** Meine Frage: Nicht jeder hat ja noch ein Apple – wie ist das bei den Android-Geräten, also wenn ich jetzt so eins habe? **Jürgen Fleger:** Da muss ich nicht zu Ihnen kommen, ne? Dann kann ich nicht weiterhelfen. Android hat natürlich auch mittlerweile die sogenannten Bedienungshilfen, so nennen die das – auch bei Apple heißt das Bedienungshilfen. Und die Bedienungshilfen bei Android, wenn's um blinde Menschen geht, also die Sprachausgabe, nennt sich TalkBack. Meiner Meinung nach nicht immer noch nicht ausreichend, dass es mir Freude machen würde, die zu bedienen. Und trotzdem ist es so, man kann da durchkommen, wenn man das will, und man kann damit zurechtkommen – dabei kann ich dann allerdings nicht helfen. **Moderation:** Ja, dann frag ich mal jetzt hier in die Runde: Wer von Ihnen hat denn ein Apple-Gerät und nutzt es auch? Oh, Sie würden sich jetzt freuen, ihr Herz geht auf, Herr Fleger. **Jürgen Fleger:** Ich spüre es, Sie spüren es, oder? **Moderation:** Genau, alles Apple-Leute. Haben Sie denn noch Fragen? Weil, ja, das ist – es war jetzt ein sehr persönlicher Vortrag diesmal, dieses Jahr. **Jürgen Fleger:** Das ist so aus mir herausgewachsen. **Moderation:** Wir haben im Chat noch ein paar Fragen, wenn's im Moment gerade hier im Plenum keine gibt. **Jürgen Fleger:** Natürlich, über solche Sachen sprechen, ja, gerne. **Frage aus dem Publikum:** Und umso mehr, wenn ich das von der BG zugesagt bekomme und ich zu Ihnen kommen kann und mir von Ihnen 3 Tage zeigen lassen kann, wie das weitergeht mit meinem Handy. Das ist unfassbar, was da noch alles zu machen ist. **Jürgen Fleger:** Ja, hervorragend. **Moderation:** Freut mich, Glück nach oben, gell? Sehr schön. Ich hab im Chat noch grade 2 Fragen, dann komm ich noch zu Ihnen. **Frage aus dem Publikum** (Kommentar im Chat)**:** Ich habe das Braille-Schreiben am iPhone bis heute nicht hinbekommen. **Frage aus dem Publikum** (weiterer Kommentar)**:** Ich schon. **Moderation:** Hallo, ja, die Frage – oder ist das nur, das war die Frage? Ah, das ist nur ein Kommentar, quasi, das war ein Kommentar. **Jürgen Fleger:** Ja, also für die, die es nicht wissen: Man – es gibt Braille-Schrift, und die besteht ja aus 6 Punkten, je nachdem, welcher Punkt da ist, das bedeutet dann einen Buchstaben, je nachdem welche Kombination. Und jetzt gab's immer die Möglichkeit, auf 6 Tasten, die nebeneinander waren, konnte man tippen, und dann erschienen auf Papier hinten die entsprechenden Punkte, die man gedrückt hatte. So, Apple hat dieses System virtualisiert, und ich kann eine virtuelle Punktschrift-Tastatur einblenden und kann dann damit Blindenschrift schreiben, und auf dem Bildschirm erscheint aber ganz normaler Text, ganz normale Schwarzschrift, wie Blinde das nennen. Und ja, das ist gewöhnungsbedürftig, wie alles, was man lernen will. Aber also, das ist hervorragend, ich schreib damit schneller als viele sehende Menschen mit ihrem Smartphone, mit den Daumen. Ich bin aber langsamer als die Tochter meiner Partnerin, die ist 18, und, he, die Geschwindigkeit, da komm ich nicht mit dem Daumen – die ist aber auch sehend. **Moderation:** Ja, ja, okay, Herr Fleger, noch eine Frage: Wie kann man mit dem iPhone gleichzeitig telefonieren und Notizen lesen? **Jürgen Fleger:** Indem man das iPhone dann beim Telefonieren vom Ohr wegnimmt. In dem Moment schaltet das iPhone standardmäßig – zumindest in den Einstellungen, wenn das so eingestellt geblieben ist – um auf den Lautsprecher. Und dann spricht VoiceOver mit mir, dann höre ich quasi beides, das geht, das VoiceOver ist dann bisschen leiser, aber wenn man jetzt keine starke Hörbehinderung hat, geht das immer noch gut. Und dann kann ich mit dem iPhone ganz normal arbeiten, ich kann die App schließen, in der ich gerade bin – das ist dann in der Regel die Telefon-App, weil ich ja telefoniere –, und dann bin ich auf dem Bildschirm von meinen ganz normalen Apps und kann die öffnen und bedienen. Ich sollte nur keinen Zwei-Finger-Doppeltipp zum Diktieren machen, weil dann leg ich nämlich auf, und das will ich ja in dem Moment nicht, das wär schlecht. Ja, genau, oder wenn ich Kopfhörer trage, dann ist das Ganze noch einfacher, dann hör ich ja sowieso VoiceOver, und das Telefonat, das geht prima. **Moderation:** Noch eine letzte Frage aus dem Chat, und dann komm ich noch mal zu Ihnen – die ich hab, hab Sie schon im Blick, dass Sie sich gemeldet haben. Ich habe einen Moment: „Ich habe ein iPhone und habe nur gute Erfahrung damit." „Oh, ich benutze mein Gerät seit 3 Jahren und bin froh, dass ich es benutzen kann." „Samsung gar nicht klar, deswegen für mich ist iPhone eine wirklich gute Lösung." **Jürgen Fleger:** Na, also, das muss ich noch aus dem Herzen sprechen, oder? **Moderation:** Ja, natürlich. **Jürgen Fleger:** Genau, genau. So, jetzt die letzte Frage noch – noch eine, ich hab noch ne Ergänzung gerade, was ich vorhin auch sagen wollte, ist: Ja, ich hab hier halt so ein iPhone jetzt, was ich gerade hochhalte – ja, das ist halt für mich überhaupt nicht mehr klobig und hässlich und so, sondern das ist jetzt echt schöne Technik heutzutage, die richtig viel kann. Und genau das wollte ich noch dazu sagen. **Moderation:** Danke, im Sinne dieses Beitrags grade, gerne, und jetzt noch eine Frage aus'm Publikum. **Frage aus dem Publikum:** Jawohl, Matthias Laufer ist mein Name, ich lerne grade VoiceOver auf dem iPhone, und hab aber auch ein Apple MacBook Air. Wird die Bedienung ähnlich sein über das Pad, oder muss ich dafür irgendwelche Tasten wieder lernen? **Jürgen Fleger:** Also die Tasten, da werden Sie nicht drum rum kommen. Der Punkt ist: Man kann die meisten VoiceOver-Gesten vom iPhone auch auf dem Trackpad verwenden, das Betriebssystem ist aber wesentlich komplexer als beim iPhone, und deswegen brauche ich auch eine komplexere Steuerungsmöglichkeit. Und ja, dazu gehören Tastenkombinationen – oder, wenn man, wenn's ein MacBook ist, dann bleiben nur Tastenkombis, ansonsten, wenn man eine große Tastatur hätte an einem Desktop-Gerät, dann kann man auch den Nummernblock benutzen anstatt Tastenkombinationen. Aber ohne das wird es nicht ganz gehen. Wir hoffen, der Vortrag hat Ihnen gefallen. Mehr Informationen finden Sie unter sightcity.net/F032007. Vielen Dank und bis zur nächsten SightCity, tschüss. ────────────────────────────────────────── Mehr Informationen: https://sightcity.net/F032007