Lernen aus der Praxis, Prüfberichte der BFIT-Bund im Internet verfügbar Forumsbeitrag | SightCity 2026 Referent und Referentin: Alexander Pfingstl, Moira Albrecht, Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) Datum: 28. Mai 2026 Vortrag-ID: F032012 Portal: https://lap.bfit-bund.de Weitere Informationen: https://sightcity.net/F032012 ────────────────────────────────────────── ── Begrüßung und Einordnung des Vortrags ── Alexander Pfingstl: Schönen guten Tag! Ich kann ja schon mal anfangen, während die Technik noch vorbereitet wird. Ich freue mich, dass trotz der späten Stunde am Donnerstag noch so viele da sind. Wie schon gesagt, mein Name ist Alex Pfingstl, und mit meiner Kollegin Moira Albrecht bin ich heute hier. Ganz wichtig noch einmal zur Einordnung des Vortrags: Wir wollen heute weder über die Qualität der Prüfberichte noch über die Qualität der Ergebnisse sprechen. Darüber kann man ganz, ganz lange reden, dazu wurde auch schon viel gemacht und wird sicherlich noch viel gemacht. Uns geht es heute darum zu zeigen, wie wir diese Ergebnisse aktuell transparent sichtbar machen. Über die Einordnung der Ergebnisse gäbe es viel zu sagen, aber das wäre ein anderer Vortrag, und das haben wir heute nicht vor. ── Die BFIT-Bund und ihre vier Aufgaben ── Kurz zu uns: Wir sind die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik – viel zu lang, BFIT ist kürzer. Wir haben grundsätzlich vier Aufgaben. Erstens müssen wir im Rahmen der EU-Webseiten-Richtlinie öffentliche Webseiten des Bundes prüfen. Die Kollegen der Länder machen das mit den Länderseiten. Das geschieht im Rahmen der vereinfachten und der eingehenden Überwachung – wer darüber mehr wissen möchte, gerne separat. Anzumerken ist aber, dass wir in Deutschland im Rahmen der vereinfachten Überwachung wesentlich mehr prüfen, als wir laut EU-Vorgaben müssten, weil wir das für sehr sinnvoll halten. Zweitens beraten wir. Wenn öffentliche Stellen von uns einen Prüfbericht bekommen, bekommen sie immer auch ein Beratungsangebot. Wir sagen also: Kontaktiert uns, und wir helfen euch, die Ergebnisse zu verstehen. Ähnliches machen auch die Kollegen in den Ländern. Drittens verfassen wir den EU-Bericht. Alle drei Jahre muss Deutschland auf Basis der entsprechenden Richtlinie nach Brüssel berichten, das nächste Mal Ende 2027, Anfang 2028. Dort werden die Ergebnisse für Gesamtdeutschland dargestellt, ohne gesondert auf einzelne Bundesländer einzugehen, weil für die EU Deutschland als Staat zählt. Die vierte Aufgabe ist für die Welt da draußen wahrscheinlich die spannendste: der Ausschuss für barrierefreie Informationstechnik. Warum ist er so spannend? Weil wir mittlerweile eine Menge Publikationen haben, die aus ganz verschiedenen Perspektiven und zu sehr verschiedenen Themen Barrierefreiheit erklären, deutlich machen, wie man sie gut umsetzen kann, und in unterschiedlichen Informationstiefen einen Einstieg bieten. ── Warum es das Portal „Lernen aus der Praxis“ gibt ── Moira Albrecht: Wieso haben wir das LAP-Portal überhaupt gegründet? Wir hatten nämlich ein Problem: Wir hatten viel Wissen, aber das war bei uns sehr isoliert und konnte nicht nach außen gehen. Wir haben immer wieder Anfragen bekommen: Wie sieht es denn mit den Prüfberichten aus? Wir würden gerne einsehen, was der Bund oder was das ganze Land macht, und daraus lernen. Und wir wollten auch, dass andere Leute daraus lernen. Also haben wir das LAP eröffnet. ── Was das Portal bietet: Filter, Prüfberichte und Downloads ── Alexander Pfingstl: Genau, LAP, so sagen wir gerne: Lernen aus der Praxis. In Zukunft wird es komplett in unsere Webseite integriert. Aktuell steht es noch ein bisschen für sich, wie Sie gleich live sehen werden. Künftig wird es Teil der Webseite und dann auch wesentlich besser mit den anderen Informationen vernetzt, die wir bereitstellen. Was kann das Portal? Es stellt aktuell alle Prüfberichte des Bundes dar, dazu die einiger Bundesländer, derzeit Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt – und zwar für die gesamte Zeitreihe, theoretisch von 2020 bis zum 31.12.2025. Im Portal kann man nach einzelnen Überwachungsstellen filtern, also nach dem Bund und den genannten Ländern. Man kann nach dem Datumsbereich filtern und sich die Prüfungsarten anschauen, also eingehende oder vereinfachte Prüfung, und nach Webseiten oder mobilen Anwendungen filtern. Wir planen hier auch noch wesentlich weitergehende Auswertungen. Das ist aktuell alles in Planung, muss aber auch gut in den Rest des Systems integriert werden. Was wir ganz gut finden: Wir bieten die Prüfberichte auch zum Download an, und zwar nicht nur die Rohzahlen, wie man sie auch im EU-Bericht lesen kann, sondern tatsächlich die von uns erstellten PDF-Dokumente. Uns ist immer wichtig, dass das nicht genutzt wird, um Stellen an den Pranger zu stellen. Das ist nicht Ziel des Portals. Es heißt „Lernen aus der Praxis“ und nicht „Schimpfen aus der Praxis“. Wir wollen, dass durch die dort dargestellten Berichte in Zukunft Fehler vermieden werden. Es ist vollkommen klar, dass Barrierefreiheit eine relativ vielfältige, komplexe Materie ist. Wir wollen, dass man aus den Dingen lernen kann, die auf anderen Webseiten nicht so gut gelaufen sind. Deshalb gibt es auch die kompletten Berichte als PDF-Datei zum Herunterladen. In vielen sind Screenshots enthalten, man bekommt also neben der Fehlerbeschreibung auch einen Screenshot dazu. In den Berichten zu eingehenden Prüfungen sind außerdem oft Lösungsansätze vermerkt. Das ist nicht bei allen Prüfungen der Fall, weil genau das ein Punkt ist, der die vereinfachte von der eingehenden Prüfung unterscheidet. Die EU-Kommission hat damals festgelegt, in welchem Verhältnis die Prüfungen zueinander stehen müssen. Deshalb werden Sie feststellen, dass ungefähr 10 Prozent eingehende und ungefähr 90 Prozent vereinfachte Prüfungen sind. Neben dem Download der PDF-Datei pro Prüfung kann man sich nach einer Suche – nach wählbaren Kriterien oder auch nach einem Namen – die angezeigten Ergebnisse auch zu Forschungszwecken herunterladen, entweder als JSON- oder als Excel-Datei. Dann kann man die Daten zum Beispiel in eigene Datenbanken einlesen und für Studienzwecke verwenden, oder man wertet die Excel-Dateien mit völlig eigenen Kombinationen weiter aus. ── Was die Ergebnisse zeigen – und was nicht ── Wichtig ist noch zu wissen, dass die europäische Norm, auf der diese Ergebnisse basieren, nur zwei Zustände kennt: wahr und falsch. Was diese Berichte aktuell nicht zeigen können, ist ein Fortschritt im Sinne von weniger Fehlern pro Anforderung. Wir sehen in den Prüfungen ganz oft, dass es zum Beispiel in einem Jahr bei einer Anforderung fünf Fehler gibt und im nächsten Jahr nur noch drei oder zwei. Nach der Bewertungsgrundlage müssen wir aber in beiden Fällen sagen, dass diese Anforderung nicht bestanden wurde. Der eigentlich erkennbare Fortschritt lässt sich mit der vorgegebenen Bewertungslogik nicht abbilden. Die Zahlen allein bilden also nicht unbedingt die komplette Realität und den tatsächlichen Zustand ab. Außerdem heißt eine nicht erfüllte Anforderung nicht automatisch, dass das Angebot nicht benutzbar ist. Es kann eine Barriere geben, und die kann verschieden groß sein. Das hängt vom Kontext ab und auch davon, welche Anforderung nicht erfüllt ist. Natürlich ist es das große Ziel, und es wird auch von der EU gefordert, dass Webauftritte komplett ohne Beanstandung durch die Prüfung kommen. Alle, die sich mit den Anforderungen auskennen, wissen aber auch, dass es neben klar messbaren Anforderungen auch solche gibt, bei denen verschiedene Prüfer verschiedene Ansichten haben. Deshalb kann es passieren, dass zwei Prüfer im Detail zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wie gesagt, wir hoffen, dass wir das Portal weiter ausbauen, und je nachdem, wie wir das schaffen, wird es auch dieses Jahr noch ein bisschen weitergehen. Aktuell können die Ergebnisse in diesen beiden Formaten heruntergeladen werden. ── Aktueller Stand und Ausblick ── Moira Albrecht: Zum aktuellen Stand: Wir sind sehr froh, dass wir gerade alle Prüfberichte des Bundes, von Berlin, Sachsen-Anhalt und Brandenburg online haben. Wir hoffen natürlich, dass wir immer mehr Bundesländer dazu animieren können, uns ihre Prüfberichte ebenfalls zur Verfügung zu stellen, damit wir sie dem ganzen Land zugänglich machen können. Außerdem gibt es unsere BFIT-Leitfäden. Ich weiß nicht, ob Sie die kennen: Das ist eine kleine Reihe auf LinkedIn, die wir seit letztem Jahr machen und in der wir immer kleine Häppchen und Tipps zur Barrierefreiheit weitergeben. Die gibt es jetzt auch im HTML-Format auf unserer Seite, ebenfalls über das LAP abrufbar, genauso wie die üblichen Publikationen des Ausschusses. Die Zukunft sieht so aus: Wir wollen viel mehr Lerninhalte machen. Wir hoffen, dass wir bald mehr Zeit und Ressourcen haben, um weiter aufzubauen, vielleicht auch andere Formate zu starten und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Wir wollen natürlich viel mehr Bundesländer dazuholen. Und wie mein Kollege schon sagte: Mit der Neustrukturierung unserer Webseite werden alle unsere Inhalte viel besser auffindbar sein. Dankeschön, das war das LAP. Wenn es noch Fragen gibt, dann gerne jetzt. ── Fragen aus dem Publikum ── Frage aus dem Publikum: Es gibt ein tolles zivilgesellschaftliches Portal, das ich mit einigen anderen Leuten aufgebaut habe: barriere-gutachten.de. Dort ist die Darstellung der Barrieren und der Prüfberichte deutlich besser und eingängiger als im LAP-Portal. Außerdem ist mir aufgefallen, dass es gerade bei den Länderberichten eigentlich nur für Brandenburg überhaupt PDF-Prüfberichte gibt. Bei den anderen sind es bloß die Nummern der Prüfkriterien und der Zustand. Gibt es Informationen, wann die Prüfberichte dort nachgeliefert werden, damit man sie sich genauer anschauen kann? Mit den Zahlen allein kann man ja nichts machen. Antwort: Genaue Informationen gibt es dazu nicht. Wie gesagt, das kann jedes Land selbst entscheiden. Die Länder haben sich so entschieden und können die Daten entsprechend auch in ihrem Sinne bereitstellen. Damit bedanken wir uns für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen Ihnen noch einen schönen Messetag – und wer morgen noch da ist, einen schönen Freitag. Haben Sie einen schönen Abend und lassen Sie sich noch von vielen tollen Vorträgen und der Ausstellung inspirieren. Dankeschön! ────────────────────────────────────────── Mehr Informationen: https://sightcity.net/F032012